Libyen: Wo sind die 6000 Toten?

Seit Anfang Februar verfolge ich die Berichterstattung zu Libyen. Im Verlauf der letzten Wochen hatte ich dabei weit über Tausend Meldungen vor der Nase, aus gut Hundert Quellen unterschiedlichster Sorte. Von BBC und Al Jazeera über Nachrichtenagenturen wie dpa, AP, Reuters und AFP, Tageszeitungen aus aller Welt, Blogs unterschiedlichster Herkunft bis zu den Twitter-Feeds von feb17.info und einzelnen Journalist(inn)en, u.v.m. Dabei fiel eines auf: In den Wochen seit Mitte Februar gab es immer wieder viele Einzelmeldungen über Tote infolge der gewaltsamen Auseinandersetzungen in Libyen, welche meist eine sehr kleine Zahl von Todesopfern angaben, die nur in einzelnen Fällen ein bis einige Dutzend überschritten. Und dennoch gab es Ende Februar, Anfang März etwa eine Woche, in der pauschale Meldungen über Todesopfer, die dem libyschen Regime zugeschrieben wurden, eskalierten. Innerhalb weniger Tage schraubten sich die Angaben bis auf 6000 Tote und mehr hoch. Im Handumdrehen setzte sich im allgemeinen Diskurs die Rede von ungeheuren Massakern durch, die es in Libyen geben solle. Die damit einhergehende Propaganda in der Öffentlichkeit, aber auch in den UN-Gremien trug entscheidend dazu bei, den jetzt erfolgenden Krieg gegen Libyen zu legitimieren, vorzubereiten und zu führen.

Seit dem Beginn der Proteste in Libyen Mitte Februar wurden aber auch die Stimmen vielfältiger und lauter, die dem Bild misstrauten und widersprachen, das die eifrigen Verfechter der Militärintervention von der Situation in Libyen entwarfen, insbesondere im Hinblick auf das Vorgehen der dortigen Staatsmacht und ihrer Organe sowie Anhänger. Im Rück- und Überblick blieb die Behauptung von Tausenden von Todesopfern des Gaddafi-Regimes Anfang März einsam stehen. Weder davor noch danach gab es Berichte über derart hohe Opferzahlen. In vielen Köpfen hatte sich jedoch die Idee von Gaddafi als rücksichtslosem Massenmörder durchgesetzt, der dabei ist, sein eigenes Volk systematisch und in grosser Zahl abzuschlachten. Das war letztlich die entscheidende Legitimation für die Ermächtigung zur massiven Missachtung, praktisch völligen Annulierung der nationalen Souveränität Libyens durch USA, UK, Frankreich und ihre Verbündeten.

Die Sache riecht also nach einem gewaltigen Betrug, einer irrwitzigen Propagandalüge. Mögen Statistiker und Historiker den Sachverhalt in Zukunft minutiös aufklären. Der mit den 6000 Toten begründete Krieg findet jetzt statt. Deswegen fragen wir jetzt, wie schon seit Wochen: Wo sind die 6000 Toten?

Ein französischsprachiger Beitrag vom 26.3. im Blog „Le Petit Blanquiste“ (zuerst gefunden bei „Vilistia“ @ „Le Post“, datiert vom 30.3.) fragt ebenfalls: „Où sont les 6.000 victimes de Kadhafi?“ Meine Französischkenntnisse sind nicht besonders ausgeprägt, möchte aber dennoch auch auf einen weiteren Beitrag auf der Website „Investig’Action“ des belgischen Journalisten und Historikers Michel Collon verweisen: Cédric Rutter, 28.3.2011: „Libye – 6000 morts avant l’intervention?“.

Explizite Auflistungen der breiten Wiedergabe der 6000-Tote-Behauptung kann man sich derzeit sparen, eine simple Suche nach „libyen 6000 tote“ bei Google liefert schon auf Deutsch eine endlose Liste von Medien, welche die Meldung verbreitet haben. Die Quelle der Information, meist mit „libysche Menschenrechtsorganisation“ angegeben, ist schnell ausfindig gemacht, es ist die „Libyan League for Human Rights“ (LLHR), im Web repräsentiert durch den Facebook-Account „LibyanLeague“. Der Verein gehört dem Euro-Mediterranean Human Rights Network (EMHRN) an und ist in der Mitgliederinformation der EMHRN-Website mit 150 Mitgliedern und Sitz im deutschen Garching aufgeführt. Nach Angaben bei Wikipedia ist der Hauptsitz der Organisation in Genf und es existieren weitere Vertretungen in England und den USA. Die LLHR bildet zusammen mit der „National Front for the Salvation of Libya“ (NFSL) und einigen weiteren Organisationen die „National Conference for the Libyan Opposition“ (NCLO). Die LLHR gehörte also zur politischen Organisation für den Umsturz in Libyen, die den „Day of Rage“ am 17. Februar ausgerufen und vorbereitet hat. Die „Menschenrechtsorganisation“ war spätestens Ende Februar de facto Kriegspartei.

Aufgegriffen und verbreitet wurde die Angabe der LLHR zu den Opferzahlen der libyschen Unruhen  zusammen mit der „vorsichtigeren Schätzung“ des internationalen Dachverbands FIDH, der „International Federation for Human Rights“ mit Hauptsitz in Paris, in der die LLHR ebenfalls Mitglied ist. Das las sich dann beispielsweise am 2.3.2011 bei der NZZ folgendermassen:

2. März 2011, 17:45, NZZ Online

Bis zu 3000 Tote in Libyen vermutet

Die Ereignisse in Libyen vom Mittwoch

Bei dem Volksaufstand in Libyen hat es nach Schätzungen von Menschenrechtlern Tausende von Toten gegeben. Das Uno-Welternährungsprogramm kündigt eine dreimonatige Sofortaktion an, um ein «humanitäres Desaster» in Libyen zu verhindern. Derweil geht der Kampf um die Hafenstadt Marsa el-Brega unvermindert weiter.

awy./aj./(sda/dapd/Reuters/dpa)  […]

– Bei dem Volksaufstand in Libyen hat es nach Schätzungen von Menschenrechtlern Tausende von Toten gegeben. Die Internationale Föderation der Menschenrechtsligen (FIDH) in Paris spricht von bis zu 3000 Toten. Sprecher einer libyschen Menschenrechtsorganisation gingen sogar von der doppelten Zahl aus. Libysche Menschenrechtler erheben zudem Vorwürfe gegen den Tschad, der nach ihren Angaben eine wichtige Rolle bei den ausländischen Söldnern im Dienste von Muammar al-Ghadhafi spiele. (16.59) […]

[http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/libyen_ereignisse_vom_mittwoch_1.9741630.html]

Am gleichen Tag wurde aus dem „bis zu“ bereits ein „mindestens“ und statt der bereits sehr grossen Zahl von bis zu 3000 rückte die 6000 zunehmend in den Vordergrund, so z.B. beim indischen Nachrichtenportal sify.com:

At least 3,000 dead in Libya: rights group

2011-03-02 23:10:00

Paris, March 2 (DPA) At least 3,000 people are estimated to have been killed so far in Libya’s two-week-old uprising, the International Federation for Human Rights (FIDH) said Wednesday in Paris.

At a press conference, the FIDH said it was still trying to confirm some of the reports on which its estimate of 3,000 dead was based and would issue a detailed breakdown later.

Ali Zeidan, a spokesman for the Libyan Human Rights League, which is a member of the FIDH, gave a much higher death toll estimate, saying the figure could be as high as 6,000.

This included around 3,000 dead in Tripoli, 2,000 dead in Benghazi and another 1,000 countrywide, he said.

A few days ago UN Secretary General Ban ki-Moon estimated the number of dead at 1,000. The death toll has risen since then as the fighting between Moamer Gaddafi’s regime and pro-democracy rebels continues.

[http://www.sify.com/news/at-least-3-000-dead-in-libya-rights-group-news-international-ldcxkhgggdh.html]

Der LLHR-Sprecher Ali Zeidan hat die 6000 Toten also in die Welt gesetzt – eine Schätzung, es „könnte so hoch sein“. Die gewaltige Differenz von 3000 ist umso merkwürdiger als daß mit Datum vom 1.3. in einer Presseerklärung auf der Website der FIDH zu lesen ist, daß FIDH und LLHR bereits seit Ausbruch der ersten Demonstrationen in Libyen eng und kontinuierlich zusammenarbeiten:

Press release from LLHR: Libyan Human Rights League addresses Human Rights Council

1 March 2011

Slimane Bouchuiguir, Secretary General of LLHR, addressed the UN Human Rights Council at a special session in Geneva on 25 February 2011 where he had the opportunity to explain the present alarming situation in Libya. […] The Secretary General of LLHR has described these acts as crimes against humanity, calling for their perpetrators to be brought to justice. The contribution of the Secretary General of LLHR, the only organisation representing Libya at this extraordinary session of the Human Rights Council, was acclaimed by members of those delegations present. As a result of this session, the Council is deemed to suspend Libya as one of its members. The LLHR has for several years been co-operating with the UN Human Rights Council in partnership with the Paris-based International Federation for Human Rights (FIDH) which closely monitors the human rights situation. FIDH has also set up a permanent working group at its Paris head office, working 24 hours a day, under the leadership of Mrs. Souhayr Belhassen and Mr. Antoine Bernard, President and Chief Executive Officer of FIDH respectively. The close coordination between the LLHR and FIDH has been continuing ever since the outbreak of the demonstrations against the dictatorship of Colonel Gaddafi.

[http://www.fidh.org/Press-release-from-LLHR-Libyan-Human-Rights]

Etwa eine Woche zuvor, datiert auf den 21.2., wandten sich FIDH und LLHR gemeinsam unter dem Titel „Massacres in Libya“ bereits an die African Commission on Human and Peoples’ Rights (ACHPR) und sprachen von 300-400 Toten seit dem 15.2.:

Massacres in Libya: The African Commission on Human and Peoples‘ Rights must refer the situation to the African Court on Human and Peoples‘ Rights

Paris, Cairo, Nairobi, Tripoli, February 21, 2011 – The International Federation for Human Rights (FIDH) and its Libyan member organization, the Libyan League for Human Rights (LLHR), urge the African Commission on Human and Peoples’ Rights (ACHPR) to immediately seize the African Court on Human and Peoples’ Rights and the Peace and Security Council of the African Union (AU) on the serious human rights violations that are being perpetrated in Libya by the Libyan authorities and officers under their control.

In Libya, the repression of peaceful demonstrations by the Libyan security forces would have resulted in 300 to 400 dead and thousands injured since February 15, 2011. […]

[http://www.fidh.org/Massacres-in-Libya-The-African-Commission-on,9204]

Drei Tage später, am 24.2. forderte die FIDH den UN-Sicherheitsrat dringlich auf, den Internationalen Gerichtshof einzuschalten und berichtete nun von 640 Toten als realistischer Zahl, die sich schnell verschlimmern könne:

Libya: Strategy of scorched earth, desire for widespread and systematic elimination

The Security Council must urgently seize the International Criminal Court; the range of individual sanctions must be deployed

February 24, 2011 – The fears expressed by FIDH recently have been confirmed:

Gaddafi is implementing a strategy of scorched earth. It is reasonable to fear that he has, in fact, decided to largely eliminate, wherever he still can, Libyan citizens who stood up against his regime and furthermore, to systematically and indiscriminately repress civilians. These acts can be characterised as crimes against humanity, as defined in Article 7 of the Rome Statute of the International Criminal Court.

FIDH calls for the UN Security Council to urgently seize the International Criminal Court as well as all States and relevant intergovernmental bodies to urgently adopt the personal sanctions targeted against Gaddafi and close members of his personal guard. Similarly, all possible ways to cut their supply of troops and weapons and to reduce their ability to bomb liberated cities must be implemented by the Council. It is imperative to immediately activate all legal means that may deter them from their massive criminal enterprise and to prevent its occurrence.

The count of 640 dead published by FIDH on the evening of Feb. 23 clearly lies beneath a reality which could deteriorate even more quickly.

New credible information, and sometimes still difficult to verify, regarding the murders of soldiers refusing to follow orders, the assassination of the wounded in hospitals (at least 163 in Central Hospital and the Hospital of Tripoli SBIA), the use of weapons used in light of the critical state of the wounded arriving at the hospitals, orders directed at fighter pilots to carry out bombings, suggest that Gaddafi has effectively decided to implement a mass extermination of those participating in the protests and furthermore, the systematic repression of civilians. […]

[http://www.fidh.org/Libya-Strategy-of-scorched-earth-desire-for]

In den 9 Tagen vom 15. bis 23.2. soll es also 640 Tote gegeben haben. Innerhalb von weiteren 5 Tagen schnellt die Zahlenangabe auf geschätzte 3000 oder 6000 hoch. Ali Zeidan, der Erfinder der 6000 Toten ist nach Angaben des „Le Petite Blanquiste“-Blogs auch Sprecher des „Nationalen Übergangsrates“ (NTCL) der von Frankreich anerkannten Gegenregierung der lybischen Rebellen. Der Blog sieht mit gutem Grund in dieser Funktion und den günstigen persönlichen Aussichten des Herrn Zeidan im Falle eines Sieges der Rebellen die Motivation für die meines Wissens bis heute unbelegten und unglaubwürdigen Zahlenangaben. Auch folgender Einwand scheint berechtigt: Angeblich Tausende von Toten, von denen auf keinem Bildmaterial der hochauflösenden militärischen Überwachungssatelliten der USA etwas zu sehen ist? Hätte die USA etwa darauf verzichtet, entsprechende Belege vorzulegen, wenn es sie denn gäbe?

Der UN-Generalsekretär Ki-Moon sprach noch am Abend des 25.2.2011 vor dem Weltsicherheitsrat von etwa 1000 Toten seit Beginn der Proteste, also vom 15.-25., hier aus dem Live-Ticker des Schweizer Fernsehens SF vom 25.2.:

21:48 – UNO-Sicherheitsrat zieht sich zu Beratungen zurück

Der Weltsicherheitsrat in New York ist am späten Abend zu einer Krisensitzung über das Blutvergiessen in Libyen zusammengekommen. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon unterrichtete die 15 Ratsmitglieder über die dramatische Entwicklung in Tripolis und anderen Städten des Landes.

Ban rief den UNO-Sicherheitsrat zu Konsequenzen auf. «Es ist Zeit für den Sicherheitsrat, entscheidende Massnahmen in Betracht zu ziehen», sagte er in New York vor dem Gremium. Die Gewalt der Sicherheitskräfte, die Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi treu ergeben seien, müsse aufhören. «Die, die mit Brutalität das Blut Unschuldiger vergiessen, müssen bestraft werden», sagte Ban. Er sprach von etwa 1000 Todesopfern seit Beginn der regierungskritischen Proteste vor anderthalb Wochen. Ban mahnte die internationale Gemeinschaft zu schnellem Handeln. «Ein Zeitverlust bedeutet ein Verlust von Menschenleben», sagte er. […]

Innerhalb von 3 Tagen verdoppeln, verdreifachen, versechsfachen sich die Zahlen! Schauen wir uns an, was die Presse aus den oben zitierten bis zu 3000, möglicherweise auch 6000 („oder darf’s noch etwas mehr sein?“) macht, die FIDH und LLHR auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Paris am 1.3. bekanntgaben. Als erstes die ägyptische Tageszeitung Al-Masry Al-Youm vom 2.3., da sind es schon jeweils mindestens 1000 bei Ban Ki-Moon, mindestens 3000 bei FIDH und mindestens 6000 laut LLHR. Letzteres dient natürlich als Schlagzeile:

At least 6000 killed in Libya unrest, says rights group

An estimated 6000 people have been killed so far in Libya’s two-week-long popular uprising against the 42-year-old regime of Muammar Qadhafi, the Libyan Human Rights League said on Wednesday. „Victims in the whole country were 6000,“ Ali Zeidan, a spokesman for the Libyan Human Rights League told reporters at a joint press conference with the Paris-based International Federation for Human Rights (FIDH). Zeidan noted that victims included some 3000 people killed in the capital Tripoli, 2000 in the rebel-held city of Benghazi, and 1000 in various other cities. „This is what people told us, but it might be more,“ he added. UN chief Ban Ki-Moon said on Friday that more than 1000 people had already been killed in the bloodshed. Libya’s deputy UN envoy, for his part, has said that „thousands“ had lost their lives. Qadhafi on Wednesday blamed „Al-Qaeda“ for creating the turmoil, warning adoring supporters of a conspiracy aimed at taking control of Libya and its oil. Qadhafi, who has said that no more than 150 people had been killed in unrest caused by „terrorists,“ told an audience of loyalists in a speech broadcast live on state television that if the US or other foreign powers entered Libya they would face a „bloody war.“ […] The FIDH has said that at least 3000 people had been killed in the troubled North African nation. The international rights watchdog said it was still trying to confirm the reports on which it had based its estimate. The group has promised to issue a more detailed breakdown of casualties at a later date.

[http://www.almasryalyoum.com/en/node/337072]

Immerhin erwähnt die Zeitung nicht nur die Angaben einer Kriegspartei, sondern auch die der anderen: Nicht mehr als 6000, sondern höchstens 150, so Gaddafi. Das mag untertrieben sein, erscheint aber nach Lage der Dinge näher an der Wahrheit zu liegen als die Abertausenden von Toten, in denen sich der mediale Blutrausch Anfang März suhlte. Vielleicht sollte man auch mal bei der FIDH nachfragen, was denn aus dem „still trying to confirm“ und dem „detailed breakdown“ geworden ist – auf der Website der Organisation habe ich da nichts gesehen. Ein merkwürdiger Kontrast bietet sich auch zu einer weiteren Meldung von Al-Masry Al-Youm am gleichen Tag, in der berichtet wird, daß den Unruhen im Nachbarstaat den Angaben der ägyptischen Regierung zufolge 12 von etwa 1,5 Millionen in Libyen arbeitenden Ägypter zum Opfer gefallen sind, deren Leichname bereits nach Ägypten überführt worden seine, so der ägyptische Gesundheitsminister.

Der Stein war ins Rollen gebracht. Während z.B. die Urner Zeitung vom 2.3. zumindestens in der Wiedergabe auf eigene Phantasien verzichtet und schreibt, daß „bis zu 3000 Tote in Libyen vermutet“ werden, geht die iranische Press TV vom 2.3. in die Vollen und verkündet „Human Rights groups say at least 6,000 people have been killed so far in Libya due to the brutal crackdown by the Gaddafi regime on pro-democracy protesters.“ Schon sind aus dem Herrn Zeidan „Menschenrechtsgruppen“ geworden und das „könnte 6000“ ebenfalls zu „mindestens 6000“ mutiert. Regimetreue iranische Medien mögen für viele keine geeignete Referenz darstellen, in diesem Fall schwimmen sie jedoch durchaus im Mainstream der Weltpresse. Massoud A Derhally bringt es bei Bloomberg mit der Schlagzeile vom 4.3. schon treffender auf den Punkt: „Libya Rebel Forces Say 6,000 Have Been Killed in Conflict, Tripoli Is Next“.

Schauen wir zum Vergleich mal auf typische Einzelmeldungen eines Tages:

Weder vor noch nach der Bekanntgabe der „Tausenden von Toten“ liessen konkrete Einzelmeldungen auch nur im Ansatz auf derart hohe Opferzahlen schliessen. Zum Vergleich einige Angaben zur gleichen Zeit aus anderen Ländern, von denen die meisten nie etwas gehört haben dürften:

  • 53 African Union peacekeepers killed in Somalia offensive – The Independent, 05.03.2011 – More than 50 African Union peacekeepers have died in fighting in Somalia since a major offensive against Islamist militants began two weeks ago, officials said yesterday.
  • Mindestens 50 Tote bei Kämpfen im Südsudan – NZZ Online, 08.03.2011 – Auch Opfer bei den Streitkräften – Lage äusserst instabil
  • Mindestens 20 Tote bei Anschlag in Pakistan – n-tv.de, 08.03.2011 – In Pakistan sind bei einem Anschlag mindestens 20 Menschen getötet worden. Rund 100 Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt, als die Autobombe hochging. Der Sprengsatz zerstörte mehrere Gebäude in Faisalabad
  • 34 Tote bei Selbstmordanschlag bei Beerdigung in Pakistan – n-tv.de / dpa, 09.03.2011 – Ein Selbstmordattentäter hat bei einer Beerdigung nahe der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar mindestens 34 Menschen mit in den Tod gerissen.
  • Brazil death toll at 95 during Carnival – Press TV, 07.03.2011 – During the first 48 hours of Brazil’s annual five-day Carnival, 95 people have reportedly lost their lives on national highways, while many others have been injured.
  • More road deaths during Brazil Carnival – Press TV, 09.03.2011 – At least 189 people have lost their lives on national roads during Brazil’s five-day Carnival with many others reported as injured.
  • Thirteen killed as violence returns to Tahrir Square – The Independent, 10.03.2011 – The euphoria that swept Egypt after the fall of Hosni Mubarak was souring yesterday after sectarian violence between Muslims and Christians left 13 people dead and armed men attacked demonstrators demanding reform in Cairo’s Tahrir Square.

Wir vergleichen ausserdem den Aufstand gegen Mubarak in Ägypten vom 25.1.-11.2., wo nie etwas von UN-Sicherheitsrat oder Militärintervention zu hören war:

  • Rights group: Egypt’s revolution death toll more than 680 – Omnia Al Desoukie, Al-Masry Al-Youm, 09.03.2011 – At least 684 Egyptians were killed during clashes between demonstrators and police forces that erupted following the 18-day Egyptian uprising that toppled President Hosni Mubarak, a rights watchdog said on Monday. Earlier official figures by the Health Ministry said around 365 people were killed, while more than 5000 were injured across Egypt following the uprising that began on 25 January.

Und vergleichen, was auch viele Jahre nach und unter einer, wie auch immer begründeten, US-geführten Militärintervention passiert:

  • Afghanistan-Krieg fordert immer mehr Opfer: Mehr als 2700 Zivilisten im vergangenen Jahr getötet – Tagesschau.de, 09.03.2011 – Erst zu Monatsanfang waren im Osten Afghanistans neun Kinder bei einem NATO-Luftangriff getötet worden. Staatschef Hamid Karsai fürchtet, dass die vielen zivilen Opfer die Bevölkerung in die Arme der Taliban treiben könnten. In scharfen Worten forderte er daher von der NATO ein Ende der „Morde“. In mehreren Landesteilen protestierten Menschen gegen den Einsatz der NATO und der USA.

Daß ich hier den Schwerpunkt auf Zahlenangaben gelegt habe, heisst nicht, daß es nicht auch andere Aspekte und Details zu beleuchten gilt! Und wohlgemerkt: Es geht nicht darum, die Opfer der libyschen Repression und die Toten des dortigen Bürgerkriegs herunterzuspielen, zu rechtfertigen oder zu verharmlosen. Daß ich das Thema erst jetzt nach 4 Wochen anspreche, hat gerade etwas damit zu tun, daß mir das „Aufrechnen“ von Toten durchaus zuwieder ist. Wenn einem das auf den ersten Blick zynisch erscheint, kann ich das sehr gut nachempfinden. Wenn aber mit krass übertriebenen Opferzahlen Politik gemacht und ein Krieg, der noch viel mehr Opfer bringt, gerechtfertigt und herbeigelogen wird, dann muss man sich mit dem Thema schon mal auseinandersetzen. Ich bin nicht der erste und werde auch nicht der letzte sein, der das tut. Momentan drängt sich die Parallele zur Propaganda im Vorfeld der Kriege gegen Jugoslawien oder den Irak auf. Vergessen wir nicht, daß Deutschland auf verschiedene Weise durchaus auch Teilnehmer des völkerrechtswidrigen Angriffs auf Libyen ist. Dennoch war es gut und richtig, daß Merkel & Co. sich zumindest im Ansatz gegen diesen Krieg gestellt haben und im Sicherheitsrat neben China, Indien, Russland und Brasilien das „Placet“ verweigert haben. Lasst die Kriegshetzer in Washington, London und Paris geifern. Im Rest der Welt steht es Deutschland durchaus gut zu Gesicht, dieses Signal gesetzt zu haben – und das nicht nur bei Regierungen, sondern auch bei Millionen und Milliarden von Menschen.

Schluss mit Kriegspropaganda und Rechtfertigungslügen!
Schluss mit Waffenexporten und der materiellen sowie organisatorischen Auf- und Ausrüstung der Repressionsorgane anderer Länder!
Für Waffenstillstand, Verhandlungslösungen und die volle Souveränität Libyens!
Kein Blut für Öl, Wasser, geostrategische Interessen und imperiale Herrschaft! AFRICOM raus aus Afrika! Deutschland raus aus der NATO!


Als Anhang noch eine kleine Chronologie von Meldungen zu Opferzahlen und der Entwicklung in den zwei Wochen vor der berüchtigten Pressekonferenz von LLHR und FIDH vom 1.3.:

  • Anti-Gaddafi-Demo in Libyen fordert mindestens vier Todesopfer – RIA Novosti, Donnerstag, 17.2.2011.
  • Libya crackdown on protests kills 24: rights group – AFP, Freitag, 18.2.2011 – Libyan security forces killed at least 24 people in a violent crackdown on anti-regime demonstrations during a „Day of Anger“ against strongman Moamer Kadhafi, Human Rights Watch said Friday.
  • Libya protests: massacres reported as Gaddafi imposes news blackout – The Guardian, Freitag, 18.2.2011 – … Opposition sources claimed that at least 61 protesters had been killed in three days of unprecedented unrest largely in Libya’s impoverished eastern region, though it was not possible to confirm that figure. Human Rights Watch reported that 24 people had been killed by Thursday. …
    Umm Muhammad, a political activist in Benghazi, told the Guardian that 38 people had died there. „They were using live fire here, not just teargas. … Ramadan Briki, the Benghazi-based editor of Quryna newspaper, said 24 people had died. …
    Amer Saad, a political activist from Derna, told al-Jazeera: „The protesters in al-Bayda have been able to seize control of the military airbase in the city and have executed 50 African mercenaries and two Libyan conspirators. Even in Derna today, a number of conspirators were executed. They were locked up in the holding cells of a police station because they resisted, and some died burning inside the building. …
  • Bereits über 80 Tote bei Unruhen in Libyen – Human Rights Watch – RIA Novosti, Samstag, 19.2.2011.
  • ‘Many killed’ in Libya’s Benghazi – Al Jazeera, Sonntag, 20.2.2011 – At least 15 mourners reportedly killed in eastern city as anti-government protests continue unabated. …
  • Libyen versinkt im Chaos: 60 Tote nach Massenprotesten – Wikinews, Montag, 21.02.2011 – Die Lage in Libyen eskaliert. Das Regime … geht mit brutaler Härte gegen Demonstranten vor. Die arabische Nachrichtenagentur Al Jazeera spricht unter Berufung auf Rettungskräfte von mindestens 60 Toten allein in der libyschen Hauptstadt Tripolis am Montag. Der Sohn des Machthabers, Saif al-Islam al-Gaddafi, bestätigte heute 14 Tote in Tripolis und 84 in Benghazi. …
  • International Trade Union Confederation (ITUC) urges Gaddafi to End Massacre of Civilians in Libya – ITUC, Montag, 21.02.2011 – Horrified by the ferocity of the repression seen over the last five days in Libya, where at least 300 protestors have been killed and the number of injured has reached startling proportions, the ITUC has called on its affiliated organisations to mobilise without delay to …
  • Fresh violence rages in Libya – Al Jazeera, Dienstag, 22.02.2011 – Protesters say security forces using warplanes and live fire ‚massacred‘ them, as UN warns of possible ‚war crimes‘. … Nearly 300 people are reported to have been killed in continuing violence in the capital and across the North African country as demonstrations enter their second week. Navi Pillay, the UN high commissioner for human rights, has warned that the widespread attacks against civilians „amount to crimes against humanity“, and called for an international investigation in possible human rights violations.
    Witnesses in Tripoli told Al Jazeera that fighter jets had bombed portions of the city in fresh attacks on Monday night. The bombing focused on ammunition depots and control centres around the capital. …
    Residents of the Tajura neighbourhood, east of Tripoli, said that dead bodies are still lying on the streets from earlier violence. At least 61 people were killed in the capital on Monday, witnesses told Al Jazeeera. …
    Benghazi, Libya’s second city, which had been the focal point of violence in recent days, … Dr Ahmed, at the city’s main hospital, told Al Jazeera that they were running short of medical supplies, medication and blood. … While no casualties had been reported in the city on Tuesday, he estimated the number of people killed in Benghazi alone over the last five days to be near 300. He also said that when military forces who had defected from Gaddafi’s government entered an army base, they found evidence of soldiers having been executed, reportedly for refusing to fire on civilians. …
    On Sunday, the US-based rights group Human Rights Watch said that at least 233 people were killed in the violence. Added to that are at least 61 people who died on Monday, which brings the toll since violence began on February 17 to at least 294. …
    Pillay, the UN’s human rights chief, called on Tuesday for an international investigation into the violence in the country, saying that it was possible that „crimes against humanity“ had been perpetrated by the Libyan government. …
  • Steinewerfer, Knüppelträger, Söldner, Soldaten – Andres Wysling, NZZ Online, Mittwoch, 23.02.2011 – Youtube-Filme aus Libyen zeigen Szenen von Gewalt und Chaos. … eine Einschätzung der Lage lassen sie nicht zu. Es kommen nach wie vor nur spärliche Informationen aus Libyen. Eine professionelle, um Objektivität bemühte Berichterstattung aus dem Land selbst war bisher praktisch unmöglich. Die Medien des Regimes lügen – das ist ihre Aufgabe … Eine alternative Informationsquelle sind Videofilme von Amateuren, die in den letzten Tagen auf Youtube veröffentlicht wurden. Gestern Dienstag waren es nur wenige, heute Mittwoch sind es mehr – offenbar funktionieren die Internetverbindungen wieder besser.
  • Among Libya’s Prisoners: Interviews with Mercenaries – Abigail Hauslohner, Time.com – Mittwoch, 23.2.2011 – At the Aruba School in the Mediterranean coastal town of Shehat, … It is a prison for nearly 200 suspected mercenaries of the Gaddafi regime. … Given their claim that there were once 325 of them … the remaining men consider themselves lucky. … a group of men from al-Baida executed 15 of the suspected mercenaries on Feb. 18 and 19 in front of the town’s courthouse. They were hanged, says the country’s former Justice Minister Mustafa Mohamed Abd al-Jalil (who has quit and joined the revolution). … „There are snipers among them, but they won’t talk,“ says a guard, pointing his finger at the huddled individuals in the room, containing Ali and 75 others. Ali insists they are innocent. „We were brought to the airport in Sabha and told we were going to participate in peaceful protest in Tripoli to support Gaddafi,“ he says. …
  • Gaddafi digs in as protests mountnt – BBC News, Donnerstag, 24.02.2011 – The area controlled by Libya’s embattled leader Col Muammar Gaddafi is shrinking, reports say, as the opposition gains momentum. … In the eastern city of Benghazi, residents have been queuing to be issued with guns looted from the army and police in order to join what they are calling the battle for Tripoli. A number of military units in the east say they have unified their command in support of the protesters. …
    The total number of deaths has been impossible to determine. Human Rights Watch says it has confirmed nearly 300 deaths, but the International Federation for Human Rights says at least 700 people have been killed, while Italian Foreign Minister Franco Frattini said estimates of 1,000 dead were „credible“.
    A French doctor working in Benghazi, Gerard Buffet, told the BBC the death toll there was at least 2,000. He said Col Gaddafi’s forces used jet fighters, mortars and rockets to fire on the opposition.
    Col Gaddafi’s son Saif al-Islam has denied claims that the government launched air strikes against opposition-controlled cities. He said reports of deaths among protesters had been exaggerated, and international journalists would be allowed into Libya from Friday to see for themselves. …
  • «Für die Schweiz ist das Libyen-Problem erledigt» – Tagesanzeiger.ch, Donnerstag, 24.02.2011 – Der ehemalige britische Botschafter in Tripolis, Oliver Miles, spricht im Exklusiv-Interview über unwahrscheinliche Angriffe mit Kampfjets, Ghadhafis Zukunft und das Verhältnis Libyen-Schweiz.
    F: Das Ghadhafi-Regime geht brutal gegen das libysche Volk vor. Ist damit nicht die Voraussetzung gegeben für eine Intervention, so wie jener der Nato in Kosovo?
    A: Theoretisch ja, und der UNO-Sicherheitsrat hat das Problem erkannt. Laut letzten Schätzungen wurden in Libyen Hunderte Personen getötet. Das ist schrecklich, gemäss internationalen Massstäben aber nicht das schlimmstmögliche Desaster. Deshalb wäre eine Intervention nicht gerechtfertigt. Ich bezweifle zudem, dass die libysche Luftwaffe Zivilisten angegriffen hat. Wäre dies der Fall, wüssten wir viel mehr darüber. Und die Zahl der Opfer wäre weit höher …
  • Unklare Opferzahlen in Libyen – NZZ Online, Freitag, 25.02.2011 – Bei Kämpfen zwischen Truppen des libyschen Staatschefs Ghadhafi und Aufständischen sind in den vergangenen Tagen allein in der Stadt Benghasi mindestens 390 Menschen ums Leben gekommen. Das sagte der Sicherheitschef der ostlibyschen Stadt. Rund 1300 Personen seien verletzt worden, sagte Nuri al-Obeidi, der sich inzwischen den Aufständischen angeschlossen hat, am Donnerstag. …
    In der Stadt az-Zawia wurden beim Angriff von Regierungstruppen laut einem Medienbericht 23 Personen getötet. 44 weitere Menschen seien verletzt worden, berichtete die libysche Zeitung «Kurina» am Donnerstag unter Berufung auf Ärzte aus der rund 60 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis gelegenen Stadt. …
    Ein Polizist in der nordostlibyschen Stadt al-Baidha sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass Aufständische dort 200 Söldner getötet hätten. …
    In mehreren Ortschaften im Osten Libyens wurden gemäss unbestätigten Angaben verschiedener Quellen auch am Donnerstag weitere Polizeidienststellen angezündet. In den Orten al-Kubba, Labrak und Derna seien in den vergangenen Tagen insgesamt 38 Zivilisten getötet und Dutzende verletzt worden.
    Ghadhafis Regime behauptet dagegen, dass all diese Berichte masslos übertrieben seien. …
  • Unruhen: Sicherheitsrat beschäftigt sich in Krisensitzung mit Libyen – n-tv.de / dpa, Freitag, 25.02.2011 – Der Weltsicherheitsrat in New York ist zu einer Krisensitzung über das Blutvergießen in Libyen zusammengekommen. UN- Generalsekretär Ban Ki Moon unterrichtete die 15 Ratsmitglieder über die dramatische Entwicklung in Tripolis und anderen Städten des Landes. Nach Angaben von Libyens stellvertretendem UN-Botschafter Ibrahim Dabbashi haben die brutalen Angriffe der libyschen Führung auf Zivilisten heute wieder «Hunderte, wenn nicht Tausende Menschenleben gekostet. …
  • Gaddafi ‚losing grip‘ over Libya – Al Jazeera, Samstag, 26.02.2011 – Demonstrators remain on the streets as leader’s power may soon be confined only to the capital, Tripoli. …
    Anti-government protesters have attacked black Africans in Libya, mistaking them for mercenaries.
    „The situation is very dangerous. Every day there are more than a hundred who die, every day there are shootings. The most dangerous situation is for foreigners like us and also us black people. …,“ Seidou Boubaker Jallou told Al Jazeera. …
    Zawiya, a town 120 km from the Tunisian border, is now in the hands of the people. Egyptians who arrived at the border described a bloody massacre on Thursday which left many dead. „I was in Zawiya’s martyrs square. There was a group of army men in the square who attacked the protesters. It was a very fierce confrontation. They were shooting using heavy weaponry. There were at least 15 to 20 dead and I had footage of what happened but the Libyan authorities on the Tunisian border took even my phone….
    The official death toll in the violence remains unclear. Francois Zimeray, France’s top human rights official, has said that it could be as high as 2,000. …
  • Libya: Gaddafi in spotlight at UN Security Council – BBC News Middle East, Samstag, 26.02.2011 – The UN Security Council is meeting to consider action against Colonel Muammar Gaddafi’s government in Libya over its attempts to put down an uprising. A draft resolution calls for an arms embargo, travel ban and asset freeze. It also proposes referring Col Gaddafi to the International Criminal Court for alleged crimes against humanity. …
    Earlier, one of Col Gaddafi’s sons, Saif al-Islam, insisted that normal life was continuing in three-quarters of Libya. By contrast, anti-Gaddafi forces say they control 80% of the country. Each side’s claims are difficult to confirm but it is known that the opposition controls the second city Benghazi, while Col Gaddafi still controls the capital Tripoli, home to two million of the country’s 6.5 million population. The UN estimates more than 1,000 people have died in the 10-day-old revolt. …
  • Rebel army may be formed as Tripoli fails to oust Gaddafi – Washington Post, Sonntag, 27.02.2011 – Army leaders in eastern Libya who have turned against Col. Moammar Gaddafi`s regime are preparing to dispatch a rebel force to Tripoli to support the beleaguered uprising there, a top military official said Saturday in Benghazi. …
    Dozens are feared to have died in the repression of the protests on Friday. Organizers had billed the rally as a last-ditch effort to topple the regime but instead it ended with a rout of the protesters from city streets by armed soldiers and paramilitaries cruising the streets and opening fire at random from jeeps, sport-utility vehicles, even ambulances. …
  • African Migrants Targeted by Libyans amid Turmoil – migrant-rights.org, Sonntag, 27.02.2011 – Several reports coming out of Libya indicate that African migrant workers and asylum-seekers are being targeted and even murdered by anti-Qaddafi forces, suspecting them to be mercenaries hired by Qaddafi to massacre the Libyan protesters. …
  • Libyen: „Gaddafi klammert“ – Radio Vatikan, Sonntag, 27.02.2011 – Libyens Staatschef Muammar al Gaddafi wird nach Einschätzung des katholischen Bischofs von Tripolis, Giovanni Martinelli, nicht aufgeben und die Hauptstadt nicht verlassen. Zudem dürfte es seinen Gegnern kaum gelingen, Tripolis einzunehmen, sagte der Bischof in einem Interview mit der Mailänder Zeitung „Il Giornale“. … Über die Lage in Libyen gebe es derzeit viele Desinformation, hob der Bischof hervor. So habe es ein Gerücht gegeben, wonach auch seine Kathedrale in Tripolis bombardiert wurde. Das sei definitiv falsch. Derartige Nachrichten, die von ausländischen Medien verbreitet würden, seien schädlich, weil sie unnötig Angst und Panik auslösten.
  • Libyan capital remains largely peaceful amid nationwide unrest – Xinhua, Montag, 28.02.2011 – Tripoli, the capital of Libya with about three million population still remains peaceful under the control of Muammar Gaddafi, 12 days after the north African country plunged into turmoil. …
    Gaddafi’s son Seif al-Islam launched a media campaign on Thursday, inviting the international media to Tripoli to report about „the truth in the city.“ „You can go anywhere to see anything you want to see,“ a media official said. …
    The authority even allowed foreign reporters to visit the Zawiya city on Sunday, some 40 km west of Tripoli. The city reportedly has witnessed heavy clashes between Gaddafi’s troops and anti-government protestors. … The central part of Zawiya has been controlled by anti- government protesters after clashes Thursday and Friday. When about 50 foreign reporters arrived in the area, some 300 protestors gathered in the street, waving weapons and chanting slogans as „Game over Gaddafi,“ „Gaddafi get out,“ and „Free Libya.“
    Mahmoud Magdy Hayawah, a medical college student, told Xinhua that about 200 soldiers attacked them suddenly Thursday morning, “ They killed 23 people and 44 others are injured,“ he said. The protestors defeated the soldiers and captured five of them, now some militia with hunting guns and rifles volunteered to secure the region. …
  • Anti-Gaddafi-Kräfte in Libyen bauen Räte-Struktur auf – Mein Parteibuch (Zweitblog), Montag, 28.02.2011 – Die Lage in Libyen scheint sich am Wochenende stabilisiert zu haben. Blutige Kämpfe zwischen Pro-Gaddafi-Kräften und Anti-Gaddafi-Kräften gab es nur noch sporadisch – beispielsweise in Misurata und Az Zawiyah, gewaltsame Änderungen des Herrschaftsgebietes der an den Auseinandersetzungen beteiligten Parteien praktisch gar nicht mehr und auch die Zahl der Opfer der Kämpfe ist zwar mit vermutlich rund 50 Toten immer noch viel zu hoch, aber immerhin gab es am Wochenende deutlich weniger Tote als in den ersten Tagen des Aufstandes. Der Nebel der zu den Kämpfen in Libyen gehörenden Propaganda-Schlacht lichtet sich etwas und so wird nun auch besser sichtbar, was in den letzten Tagen in Libyen passiert ist. …
  • Russlands Außenminister fordert sofortiges Ende der Gewalt in Libyen – RIA Novosti, Montag, 28.02.2011 – Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat am heutigen Montag in Genf auf der 16. Tagung des UN-Rates für Menschenrechte die sofortige Beendigung der Gewalt in Libyen gefordert. …
    Nach Angaben von internationalen Organisationen gehen die Behörden mit roher Gewalt gegen die Protestierenden vor. Bei den blutigen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften und den ausländischen Söldnern sind bis zu 2000 Menschen getötet und rund 4000 verletzt worden. …
  • Protesters march in Tripoli – Al Jazeera, Montag, 28.02.2011 – At least 300 people are protesting in the east of the Libyan capital, Tripoli, chanting slogans against their leader Muammar Gaddafi. Protesters began the rally in the Tajoura district on Monday after the funeral of a person killed in attacks on demonstrators by pro-Gaddafi militias last week. A witness said demonstrators quickly dispersed once a brigade of pro-Gaddafi fighters rushed to the scene. Security forces were reportedly firing in the air after several sports utility vehicles pulled into the square where the protest was taking place. … Meanwhile, most of eastern Libya and cities close to Tripoli are in the hands of the opposition. …
  • Libyens „Demonstranten“ drohen Tripolis mit Luftangriffen – Mein Parteibuch (Zweitblog), Montag, 28.02.2011 – Die Gerüchte, Muamar Al-Gaddafi hätte Demonstranten bombardiert, haben sich inzwischen als falsch herausgestellt. Nun droht der Chef des militärischen nationalen Volksrates von Bengazi, Idris el-Sharif, der schottischen Zeitung Scotsman zufolge allerdings mit Luftangriffen auf Tripolis. Der Scotsman zitiert ihn: „Wir haben eine Transportmaschine, die praktisch überall landen kann, und 15 Kampfjets“ und weiter „nun schauen wir zu. Falls er (Anm: Gaddafi) anfängt eine Menge Leute zu töten und es so aussieht, dass unsere Kräfte sich aus Tripoli zurückziehen, dann werden wir sie benutzen und ihnen Stärke geben.“ …

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One Response to Libyen: Wo sind die 6000 Toten?

  1. dos4ddn says:

    SEHR material- und detailreiche und dabei stringent strukturierte Nachzeichnung eines wichtigen Propaganda-Weges, – nicht nur für den dargestellten Fall Libyen !

    Knapp unterhalb einer Magisterarbeit in der Publizistik!?

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